titel_lenz_neuDie neue Kurzgeschichte aus dem niederbayerischen Augsee gibt’s jetzt als eBook bei Amazon. Die schwarzhumorige Erzählung aus der Reihe „Dorfgeschichten aus Niederbayern“ bietet Sammlern und Neu-Lesern wieder humorvolle Unterhaltung mit viel Absurdem, Bösem, Satirischem und Amüsantem.

 „Wer hätt‘ jetzt das geglaubt, dass das so saudumm hergehen kann, wenn man grad‘ einmal zum Wirt geht?“
In der kleinen niederbayerischen Gemeinde Augsee verstirbt der Lobmeier Lorenz auf dem Weg ins Wirtshaus. Sein plötzlicher Tod führt zu unerwarteten Verwicklungen, schändlichen Intrigen und pietätlosen Skandalen gar. Nicht nur Erben sind darin verstrickt, auch Gemeindeführung, Pfarrer, Bestatter und sogar der Bauhof haben ihre liebe Not mit den kuriosen Folgen seines Dahinscheidens.
Eine launig-heitere Erzählung mit schwarzem Humor und satirischen Seitenhieben, mit valentineskem Wortwitz und viel Lokalkolorit.   >> Hier geht’s zum kindle-eBook bei Amazon

LESEPROBE „Der Lenz ist tot“

[…] Man merkte gleich, dass er tot war, der Lenz, wie er da auf dem nassen Pflaster lag. Weil wenn’s nur ein Rausch gewesen wäre, der ihn übermannt gehabt hätte, dann wäre er ganz anders dagelegen. Mehr rauschartig halt. Eigentlich war er noch zu jung, um tot zu sein. Gerade einmal sechsundfünfzig Jahre lang hatte der Lobmeier Lorenz überlebt.
Es ist ja ein wenig saudumm hergegangen, denn normalerweise wäre einer ja nicht gleich tot, nur weil er zum Wirt gegangen ist.

Wegen der schweren Wolken war es schon recht dunkel gewesen, an diesem späten Sommerabend. Ein leichtes Gewitter hatte die Luft in der kleinen niederbayerischen Gemeinde Augsee erfrischt, nur ferner Donner war noch zu hören gewesen, als der Heudobler Heini den Lenz auf dem Weg zum Kirchenwirt-Stammtisch gefunden hatte.
„Ja, du liebe Zeit, wir müssen gleich den Notarzt antelefonieren!”, rief der Wagner Walter, nachdem der Heini in die Gaststube hineingestürzt war und ganz aufgeregt vom draußen liegenden Lenz berichtet hatte. Alle Wirtshausgäste stürmten hinaus, um zu schauen, ob dem Toten noch zu helfen wäre. Derweil rief der Fritz, der Wirt vom Kirchenwirt, den Rettungswagen.
Jetzt standen sie um den armen Lenz herum und betrachteten die tragische Gestalt, waren sich im Stillen einig, dass es da nichts mehr zu retten gäbe. Auch der Notarzt ersparte sich Anstrengungen, die sich ohnehin nicht mehr lohnen würden und bedeckte den Dahingeschiedenen notdürftig mit der Decke vom Wastl, dem Rauhaardackel vom Wirt, welcher diesen Missbrauch seiner Schlafstatt entrüstet bebellte.
Nachdem der Leichenwagen den durchnässten Lenz aufgesammelt hatte, war es eine Weile still am Stammtisch.
„Ja, der Lenz. Der arme Lenz”, unterbrach der Wagner Walter die pietätvolle Ruhe und nahm sein nasses Cord-Hütchen ab, damit ihm vom vollgesogenen Hutrand kein Wasser ins Bierglas tropfe.
Darauf erhob der Armlehner Bertl das Glas:
„Auf den Lenz!”
Die Gläser klirrten und der Fritz machte sich daran, eine weitere Runde einzuschenken. Er sinnierte, wer denn nun das Trauermahl für den Lenz ausrichten würde, wenn dieser am benachbarten Friedhof beerdigt werden würde, wo er doch ganz alleine hier in Augsee gelebt hatte.
„Hat der Lenz nicht einen Bruder?”, fragte er, während er die Gläser am Tisch austeilte.
„Freilich, den Leopold”, wusste der Bertl, „Der dürfte so um die vier, fünf Jahre jünger sein, als der Lenz”, in Frankfurt lebe der seit vielen Jahren, habe der Lenz ihm einmal berichtet.
„Aber die beiden haben sich nicht so gut verstanden”, erzählte der Bertl weiter und wartete darauf, dass einer fragen würde, weshalb das so gewesen wäre.
„Warum jetzt das?”, kam ihm der Heudobler Heini gerade recht.
„Na, ums Haus ist’s gegangen. Wie die alte Lobmeierin seinerzeit gestorben ist, da wollt’ der Leo das Haus verkaufen und‘s Geld aufteilen. Aber der Lenz wollt’s nicht hergeben. Hat ihn dann ausbezahlt, den Leo, aber dem war’s natürlich viel zu wenig.”
„Ja, so geht’s her. Und dann ist man zerstritten bis ans Lebensende, wegen dem saudummen Geld.”
„Dann wird der Leopold wohl auch keinen Leichenschmaus ausrichten für den Lenz, oder?”, fragte der Fritz.
[…]