Nur mal als kleine Fingerübung ein weiterer „Schwank“ über die Streithanseln im Wirtshaus. Die Streitereien der beiden finden sich immer als letzte Geschichte am Schluss meiner Sammelbände.

XAVER UND VITUS IM WIRTSHAUS

„Weißt schon, Xaver, ‚Neger‘ darf man nicht mehr sag’n!“
„Wann hätt‘ jetzt ich ‚Neger‘ zu dir g’sagt, Depp?“
„Nicht zu mir, überhaupts halt! .. zu mir kannst ruhig ‚Neger‘ sag’n, das is‘ mir doch wurscht. … Wie sagt man denn jetzt, wenn einer ein Neger ist und man ihn nicht ‚Neger‘ heißen darf?“
„Geh’ Vitus, das weißt doch selber. ‚Schwarzer‘. ‚Schwarzer’ muss man sagen!“
„Ja, das weiß ich freilich selber! Aber was andres, als wie ‚Schwarzer’? Darf man was andres sag’n?”
„‚Mohr‘. Mohr, mein’ ich, darf man auch noch sagen.“
„Meinst wirklich, Xaver? Wart, da frag’n wir den Fritz. He, Fritz, bring nochmal zwei Halbe! Und, du Fritz, weißt du, ob man heutzutag einen Neger – also einen Schwarzen – noch einen ‚Mohr‘ heißen darf?“

„Selbstverständlich nicht!“

„Hätt‘ ja sein können, dass man Mohr noch sagen darf, gell, Vitus? Weil ‚Mohr‘, das hört sich ja so … romantisch an, nicht wahr?“

„Du Vitus, wie sagt man dann zu einem, der ‚Mohr‘ heißt? Herbert Mohr wenn jetzt einer zum Beispiel heißt? Da kann ich ja nicht Herbert Schwarzer sag’n, weil das wär‘ ja dann ein ganz ein anderer Herbert.“
„Ist ja eh ein Blödsinn, Xaver, dass man bloß mehr ‚Schwarzer’ sagen darf. Das wär ja dasselbe, wenn ich zu dir bloß mehr ‚Grauer’ sagen würd‘.“
„Und ich zu dir ‚Halbglatzerter’, gell, Vitus?“
„Ich geb dir gleich den Halbglatzerten, du aufg’stellter Mausdreck!“
„Ja, ihn schau an, einen aufg’stellten Mausdreck will mich der heißen! Hast es g’hört Fritz, wie mich der g’wamperte Knödlfänger in deinem Wirtshaus beleidigt? Schmeiß ihn raus, den Sauhund!“

„Jetzt gebt’s doch eine Ruh‘! Werdets doch nicht schon wieder ’s Streiten anfangen, ihr alten Deppen!“

„Mit dem Xaver, dem botscherten Bachratz da, da kann man ja sonst nix machen, als wie streiten, so bröseldumm, wie der ist!“
„Ich wär‘ bröseldumm? Derweil hast ja DU nicht g’wusst, dass man einen Neger einen Schwarzen nennt!“
„Freilich hab ich’s g’wusst! Ich wollt‘ bloß schau’n, wie deppert du sonst noch bist!“
„Ach geh, red’ nicht. Eing’fallen ist’s dir nicht mehr, so altersdappig wie du schon bist!“
„Dass ich dir gleich eine saubere Bockfotzn geb, dafür bin ich noch lang nicht zu alt, du blöder Boandlkramer!“

„Auf der Stell‘ hörts auf ihr zwei! Sonst kriegts ihr Hausverbot bei mir. Auf Lebenszeit kriegt’s ihr Hausverbot, ihr damischen Streithanseln! Ihr kosts mich noch die letzten Nerven! Jeden Tag dasselbe G’schiss mit euch.“

„Du, Vitus, was hat er denn, der Fritz?“
„Ich weiß auch nicht, Xaver. Die Nerven sind’s, sagt er!“

„Ihr verschwindets jetzt, sag ich! Ist eh schon Mitternacht. Schauts, dass heimkommts!“

„Na, dann geh’n wir halt. Komm, Vitus, weil in diesem Wirtshaus kann man sich ja eh nicht einmal in Ruhe unterhalten, bei dem nervenschwachen Wirt, gell?“

„Xaver, schau, da steht der Schwarze vom Huberbauern. Hat ihn erst umlackiert.“
„Geh! Der Huberbauer hat einen Neger umlackiert?“
„Doch keinen Neger! Depp! Seinen Bulldog hat er umlackiert.“
„Ja hätt’st halt dann gleich ‚schwarzer Bulldog’ g’sagt!“
„Zefix, das siehst doch selber, dass da ein Bulldog steht!“

„Ach, geh’n wir heim, Vitus, komm!“

„‚Hanomag’ hättst sagen können, ‚der schwarze Hanomag’.“