Titel Teufel

„Den Schwanninger Herbert fand der Fritz erst später beim Aufräumen unter einem der Tische. Der Herbert selber wusste aber nicht, dass er dort lag, weil er war wohl verstorben, der Herbert!“

Diese Geschichte gibt es als Einzel-eBook bei Amazon für 0,99 Euro sowie im Sammelband 2 „Ohne Hirn bist halt ein Depp“.

Im niederbayerischen Augsee zieht der ehemalige Schaffner Jakob ins alte Bahnwärterhäuschen ein und verdingt sich bald als Aushilfskoch im Ort. Trotz zweifelhafter Kochkünste werden seine Dienste erfreut in Anspruch genommen – mit ebenso merkwürdigen wie denkwürdigen Ergebnissen. Bis die Augseeer Feuerwehr sich gar nicht mehr auskennt.

Böse, schwarz, unappetitlich aber umso heiterer ist die Kurzgeschichte „Teufels Küche”, die in leichtem bajuwarischen Plauderstil erzählt wird und mit Wortwitz, hintergründigem Humor und satirischen Spitzen schmunzeln lässt.

Button einkaufen


LESEPROBE

…. Der Murauer Sepp, der hatte Busse ja nie gemocht. Die Leute sollten lieber mit der Bahn fahren, hatte er immer gemeint, weil die Bahn würde viel weniger Unfälle bauen, als die stinkenden Autobusse. Womit er ja recht hatte, weil von einem Zug war er nie überfahren worden aber von einem Bus schon.

Er war der letzte der Augseeer Bahnwärter, der Murauer Sepp. Viele Jahre lang hatte er dafür gesorgt, dass am Bahnsteig im niederbayerischen Augsee alles seine Ordnung hatte. Mehrmals am Tag drehte er die Schranke am Bahnübergang runter und vergaß nur manchmal, sie wieder hochzudrehen, nachdem der Zug durchgefahren war. Er verkaufte Fahrkarten, schimpfte mit Kindern, die am Bahnsteig zu heftig rumtobten und schickte den Zugführer mit einem selbstbewussten Trillerpfeifen wieder des Weges. Eine wichtige Autoritätsperson war der Sepp am Bahnsteig in Augsee.
Da es nach dem Sepp keinen Bahnwärter mehr brauchte in der kleinen Landgemeinde, durfte er die letzten Jahre seines Ruhestandes mit seiner Resi zur Miete im ehemaligen Bahnwärterhäuschen verleben. Bis er halt vom Bus erwischt worden war. Weil der Busfahrer damals, der war recht in Eile und der Sepp nicht so sehr. Und das trifft sich halt manchmal ein wenig saudumm, wenn der eine schneller fährt als der andere geht.

Die Resi überlebte den Sepp noch um fast zehn Jahre, bis auch sie schließlich auf den Augseeer Friedhof umzog. Mit ein wenig Verspätung, könnte man sagen. Denn als man sie damals fand, da war sie wohl schon ein paar Wochen tot in der kleinen Küche auf dem Stuhl gesessen und war darauf schon recht arg festgeklebt. Vornüber gebeugt lag ihr Kopf auf dem Küchentisch in einer rotbraunen, klebrig eingetrockneten Lache. Dem Feuerwehrmann, der sie damals gefunden hatte, dem war ja gleich recht schlecht geworden bei dem Anblick, hatte gar gemeint, sie hätte sich selber was angetan, wegen dem vielen getrockneten Blut auf dem Tisch. Aber das war nur der Saft vom Beerenkompott gewesen. Wie sie zusammengebrochen war, hatte sie wohl versehentlich das große Glas eingemachter Beeren umgestoßen, welches vor ihr auf dem Tisch gestanden hatte.
Ihr schrumpeliges Kinn lag auf dem Glasschälchen, aus dem sie ihr letztes Kompott gelöffelt hatte und welches bereits irgendwie ein wenig mit ihrer linken Wange verwachsen war. Ihre Fußknöchel waren von Ratten angenagt gewesen und überall um Tisch und Stuhl herum waren Beerenreste am Boden verstreut; manche etwas aufgedunsen von schleimiger Körperflüssigkeit, die über die Wochen an den Stuhlbeinen entlang zäh auf den Boden gekrochen war. …