Titel Reise

„Lassts mich los! Loslassen, sag ich! Ich muss zuhau‘n!“

Diese Geschichte gibt es als Einzel-eBook bei Amazon für 0,99 Euro sowie im Sammelband 1 „Dorfgeschichten aus Niederbayern“.


In der niederbayerischen Gemeinde Augsee organisiert der Frauenbund eine Kulturfahrt zu einem Musical nach Frankfurt. In einem »überreifen« Bus, mit einem schwerhörigen Busfahrer am Steuer, macht sich die Gruppe auf zu einer ungeahnten Odyssee, bei der sie auf allerlei Widrigkeiten stößt, seltsame wie auch unangenehme Bekanntschaften macht und sogar beinahe in eine Schlägerei verwickelt wird. Eine Reise, bei der alles irgendwie ein wenig saudumm gelaufen ist.

„Die Kulturreise“ ist eine amüsante Erzählung, die mit dem liebenswürdigen Charme „bayerischer Grammatik“, feinem Wortwitz und hintersinnigem Humor schmunzeln lässt.

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EXKLUSIVE SONDERAUSGABE

Brunthaler_Geschichte_2016.indd„Die saudumme Kulturreise“ gibt’s sogar als limitierte Sonderausgabe. Mehr Infos >>hier.

 

 

 


LESERSTIMMEN

„Übrigens haben wir uns beide köstlich amüsiert mit Deiner „saudummen Kulturreise“. Sogar ich hab´s schon gelesen.“

„Bei dieser Geschichte hab ich mich wirklich kaputt gelacht. Was alles passieren kann, passiert. Unterhaltsam, lustig, einfach lesenswert.“

„Ich find das gar nicht lustig. Die armen Leut! Was die mitmachen müssen!“


LESEPROBE

… „Ich hätt‘ gar nicht g’meint, dass da doch so viele mitfahren, gell?“, meinte die Trautmannsdorfer Marianne zur Gaisbauer Gertrud.
Die Marianne ist bei jedem Ausflug vom Frauenbund dabei – wenn sie nicht gerade eine Grippe hat. Kulturelle Veranstaltungen sind ihr schon sehr wichtig. Aber Hauptsache ist, dass recht viele Leute dabei sind. Denn da weiß man hernach oft Sachen, die man anders gar nicht erfahren würde.
Es war noch ein wenig frisch an diesem spätsommerlichen Sonntagmorgen, um kurz nach sechs Uhr. Der Heudobler Heini mit seiner Frau, der Waltraud, und der Wagner Walter standen auch schon in der kleinen Gruppe, die am Augseeer Dorfplatz auf den Armlehner Bertl mit dem Bus wartete. Und da kam auf einmal der Fritz über die Straße auf den Dorfplatz zu. Hinter sich zog er einen Handwagen her, auf dem vier Kisten Bier standen. Und in einer Kiste lagen zwischen den Flaschenhälsen drei tönerne Flaschen Bärwurz und drei Flaschen Marillenlikör. Weil die Frauen bräuchten ja auch ein bisschen eine Verpflegung auf der langen Fahrt, und als Wirt wusste er, dass die Damen vom Frauenbund gerne mal ein Stamperl Marillenlikör mögen. Aber keinen Bärwurz.
Auf drei Grad hatte er das Bier über Nacht eingekühlt und oben drauf auf die Kisten jeweils eine Tüte voller Kühlakkus gelegt. Weil ein warmes Bier mag der Fritz nicht so sehr. Und Stamperlbecher aus Plastik hatte er auch dabei. 

Die Gertrud teilte schon mal Programmhefte unter den Wartenden aus. Die Gaisbauer Gertrud ist schon mindestens zwanzig Jahre Vorsitzende vom Augseeer Frauenbund und hatte schon viele Ausflüge organisiert. Außer die Brauereibesichtigungen. Die hatte meistens der Wagner Walter mit dem Fußballverein organisiert. Aber das waren ja jetzt nicht so sehr Kulturveranstaltungen – eher so Bierverkostungen halt.
Wie sie ihre Hefterl so verteilte, die Gertrud, da sah sie auf einmal den jungen Westerhofer Christian unter den Wartenden:
„Ja, Westerl, was machst denn du da? Fährst auch mit nach Frankfurt?“, fragte sie ihn erfreut. Weil die Gertrud freut sich immer recht, wenn bei ihren Ausflügen auch die Jugend dabei ist. Und der Westerl, der war ja noch nicht einmal dreißig Jahre alt.
„Ja, mei, gell?“, antwortete der Westerl ausführlich.
Und man glaubt es nicht: Neben dem Westerl stand der Anderl. Der ist ja beim SUPERTALENT vom Bohlen Dieter Zweiter geworden, weil er so gut singen kann. Und der Anderl, der war ja gleich noch ein Jahr jünger als der Westerl.
„Ach und der Anderl hat gar seine Gitarre dabei“, freute sich die Gertrud weiter, „Ja, das ist ja ganz lieb!“
Die beiden, der Westerl und der Anderl, die kannten sich ja schon lange, hatten als Kinder schon miteinander Fußball gespielt beim FC Augsee. Und die kennen sich immer noch, auch wenn der Anderl mittlerweile recht berühmt geworden war und der Westerl nicht so sehr.

»Könnt‘ mir bitt’schön mal jemand helfen?“
Die Knoll Emilia, seit vielen Jahrzehnten Grundschullehrerin zu Augsee, hatte einen mords Koffer bei sich, der sie beim Drüberziehen über das Kopfsteinpflaster recht aus der Bahn schüttelte.
„Ja, Fräulein Knoll!“, eilte der Walter humpelnd ein paar Schritte auf sie zu und meinte:
„Was haben denn Sie alles dabei? Wir kommen doch heute Nacht wieder heim. Wir brauchen nirgends zu übernachten!“
Er nahm ihr den Koffer ab und trug ihn über das Pflaster.

Der Wagner Walter, der humpelt ja ein wenig, weil er einmal über die Stiege beim Kirchenwirt hinuntergefallen ist, und da hat er sich die Kniescheibe zertrümmert. Aber das machte dem Walter nicht viel aus, weil er war ja schon in Rente und da brauche er eh nicht mehr so viel zu gehen, meinte er immer.

Sie habe ausschließlich nur das Wichtigste dabei und ohnehin hätte sie eigentlich gar nicht mitfahren wollen, weil für so was wäre sie eh schon zu alt, und Zeit hätt‹ sie auch gar nicht, erklärte das kinder- und männerlose Fräulein Knoll fast ein wenig missmutig.
Die Trautmannsdorfer Marianne hatte das Fräulein Knoll über Wochen hinweg doch davon überzeugen können, dass sie mitfahren müsste. Weil das sei ja eine Kulturfahrt, hatte sie gemeint, und für Lehrerinnen gehöre es sich nun einmal, dass sie sich stets an der Kultur bereichern.

„Ja, wo bleibt denn der Bertl jetzt? Um viertel nach sechs wär‘ Abfahrt, hat’s geheißen! Jetzt ist’s schon zehn nach sechs“, wurde der Fritz ungeduldig, weil er musste ja auch noch die Bierkästen verstauen.
„Allmächtiger! Was ist denn das?“
Der Heini war gerade zur Hauptstraße rüber gegangen, um zu sehen, ob der Bertl schon käme mit dem Bus. Und gerade, als er die Straße erreicht hatte, sah er ihn kommen. Und da hat sich der Heini ein wenig erschrocken.
Der Kleinbus quälte sich qualmend die leichte Steigung der Hauptstraße herauf und bog in Schritttempo in den Dorfplatz ein, wo die Wartenden ehrfurchtsvoll zur Seite traten.
„Benz 613D. Ich schätz‘ mal, so Baujahr zwischen 1980 und 1983. 130 PS. Vielleicht 150.“  …